Philosophie

Ethischer Grundsatz

 

005Das Pferd als Teil unseres Lebens, unserer Gesellschaft und als unser Partner hat grundsätzlich einen Anspruch auf Unversehrtheit und auf physisches wie auch psychisches Wohlergehen. Die Rolle des Reiters und Ausbilders ist unabdingbar mit der Verpflichtung verbunden, als Vermittler zwischen der Menschenwelt und der Welt der Pferde zu agieren und sich regelrecht als Anwalt für die Pferde einzusetzen. Dies kann niemals nur im Rahmen einer beruflichen Tätigkeit geschehen oder in Teilbereichen, sondern es muss weit darüber hinaus erfolgen: Als Passion und grundsätzliche Lebenseinstellung.

Klassische Dressur

Ziel des Dressurreiters ist die harmonische Entwicklung des Körpers und Möglichkeiten des Pferdes. Das Ergebnis ist ein ruhiges, geschmeidiges, lockeres und biegsames, jedoch auch ein selbstbewußtes, aufmerksames und gehfreudiges Pferd, das sich in völliger Übereinstimmung mit dem Reiter bewegt.

Diese Eigenschaften zeigen sich in

– dem Raumgriff und der Gleichmäßigkeit der Gänge,
– der Harmonie, Eleganz und Leichtigkeit der Bewegungen,
– einer leicht werdenden Vorhand und einer aktiven Hinterhand, woraus sich eine schwungvolle Vorwärtsbewegung entwickelt,
– einer konstanten Anlehnung an das Gebiss, ohne Spannungen oder Widersetzlichkeiten.

Somit vermittelt das Pferd den Eindruck, die von ihm geforderten Übungen von sich aus willig auszuführen. Selbstbewußt und aufmerksam fügt es sich den Hilfen des Reiters, wobei es bei allen Übungen auf einer geraden Linie absolut gerade bleibt und sich bei Übungen auf gebogenen Linien entsprechend biegt.

Der Schritt ist taktrein, zwanglos und nicht gebunden. Der Trab ist zwanglos, geschmeidig, taktrein, gleichmäßig und aktiv. Im Galopp bewegt es sich elastisch und rhythmisch, ohne auseinanderzufallen. Die Hinterhand wird zu keinem Zeitpunkt inaktiv oder träge. Sie reagiert auf die kleinsten Reiterhilfen und überträgt somit Energie und Schwung auf den gesamten Pferdekörper.

Durch die energische Schwungentfaltung und die Geschmeidigkeit seiner Gelenke, ungehindert von der lähmenden Wirkung eventuell Widersetzlichkeiten, gehorcht das Pferd willig und ohne zu zögern. Es reagiert auf die verschiedenen Hilfen gelassen und akkurat, wobei sich seine natürliche und harmonische physische und psychische Ausgeglichenheit entfaltet.

Bei allen Übungen, sogar im Halten, muss das Pferd ‚am Zügel stehen‘. Man kann von einem Pferd sagen, daß es ‚am Zügel steht‘, wenn es bei korrekt unter den Pferdekörper fußenden Hinterbeinen mit der jeweils erforderlichen Halsbiegung das Gebiß mit einer leichten und feinen, konstanten Anlehnung annimmt.
Der Kopf sollte seine Haltung nicht verändern, in der Regel sollte er etwas vor der Senkrechten getragen werden, wobei das Pferd im Genick, welches der höchste Punkt des Halses sein sollte, locker sein muß, ohne sich hier dem Reiter zu widersetzen.

Der Bewegungsablauf des Pferdes soll ausgeprägt, rhythmisch und harmonisch sein.

(Loch, Sylvia: Reitkunst im Wandel S.16)

Das Ziel der Reitkunst ist es, das Pferd so auszubilden, dass es nicht nur in den Bewegungen und Übungen der Hohen Schule brilliert, sondern außerdem auch noch ruhig, elastisch und gehorsam ist und durch seine weichen Bewegungen das Reiten zur wahren Freude werden läßt.

(Alois Podhajsky, 1967)

Reiten bereitet Freude und kann zur Kunst werden. Wer möchte nicht gerne ein Künstler sein? Es dürfen jedoch nur diejenigen mit Recht als Künstler bezeichnet werden, die sich von ganzem Herzen darum bemühen, das Gemüt des Pferdes zu verstehen und mit Gefühl statt mit rohem Zwang nach völliger Harmonie streben…

(W. Müseler, 1937)

Das Ideal ist ein Pferd, das so ausgebildet ist, daß in allen Bewegungen Harmonie und Perfektion zwischen Reiter und Pferd herrschen, sodaß sie zu einer Einheit verschmelzen.

(R. Watjen, 1958)
(Loch, Sylvia: Reitkunst im Wandel, S.17)

006Und diese Sanftheit kommt aus dem Inneren des Menschen. Es ist die Art wie man dem Pferd begegnet, die innere Einstellung. Warum reite ich?
Nehmen Sie sich einen Weg vor und gehen Sie ihn, aber steigen Sie bitte nicht mit dem Druck “Ich muss heute dieses oder jenes erreichen!“ auf Ihr Pferd, denn sonst können Sie die Blumen am Wegrand nicht mehr erkennen und verlieren die wahre Freude am Reiten. Betrachten Sie Ihr Pferd bitte immer wieder mit den Augen eines Kindes – was für ein WUNDERVOLLES Geschöpf. Freuen Sie sich ehrlich über die kleinen Dinge. Seien Sie authentisch.

Mir können Sie etwas vormachen, vielleicht auch allen anderen Menschen – aber nicht Ihrem Pferd. Und es erfordert unheimlich viel Mut zu seinen Gefühlen zu stehen. Dazu zu stehen, dass man manchmal einfach keine Lust hat zu reiten (Dann lassen Sie es!), sich fürchterlich über sich und/oder sein Pferd ärgert (Die Erkenntnis ist aber auch hier der erste Weg zur Besserung!), Angst hat, oder auch einfach nur nicht dem entspricht was andere erwarten (Es aber vielleicht gerne würde?).

Das Vertrauen, das wir uns alle von unseren Pferden wünschen, kommt durch Beständigkeit und Authentizität. Sind wir beständig wir selbst, werden wir vertrauenswürdig und unser Pferd fühlt sich wohl. Ist das Pferd mit uns im Einklang, ist es zufrieden. Und erst dann wird die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Pferd das werden was ich nur mit „sanft“ ausdrücken kann.

Das ist ein andauernder Prozess mit vielen Rückschlägen und erfordert Offenheit, Verantwortungsbewusstsein und vor allem Bereitschaft. Pferde lehren uns, wenn wir sie lassen, nie aus Wut zu reagieren und den reiterlichen Stolz hinten anzustellen, manchmal auch auf Kosten unserer eigenen „Freude“, unseres Ansehens, etc . Doch haben wir den Mut das Pferd ohne Hintergedanken zu lieben, nur zu fühlen, zu sehen und wahre Freude an den kleinen Dingen zu empfinden werden sich Dinge einfach ergeben, Lektionen einfach entwickeln und der nächste Schritt wird einem vom Pferd angeboten.DSC_1369-web

Das alles hört sich nun erst mal sehr schön an, doch es ist unglaublich schwer und ein Prozess der sich durchs ganze Leben zieht. Es erfordert nämlich unheimlich viel – und hier ist sie nun doch – Disziplin, einerseits hart an sich und seinen körperlichen (z.B Sitz!) und psychischen Fähigkeiten zu arbeiten und auf der anderen Seite die Gelassenheit zu haben Dinge/ Fortschritte auch einfach einmal abzuwarten.

Nichts zeigt Ihnen so deutlich ob Sie sich auf dem richtigen Weg befinden wie der Blick Ihres Pferdes nach dem Absteigen!